Zusammenfassung
Die Bohrwinde wandelt deine Muskelkraft über einen Hebel (die Kurbel) in eine Drehbewegung um. Die kleine Schraube an der Bohrerspitze (die Einzugschnecke) zieht den Bohrer selbstständig ins Holz. Die Schneiden schneiden die Fasern, und die spiralförmige Nut transportiert die Späne nach draußen.
Eckdaten
- Kosten
- 10–30 € (gebraucht auf Flohmärkten, oft für 15–20 €)
- Schwierigkeit
- Einsteiger bis Fortgeschritten
- Bauzeit
- Minuten pro Bohrung; lebenslange Nutzbarkeit des Werkzeugs
Benötigte Materialien
Materialien
- Bohrwinde (Brace) oder Kurbelbohrer
- Satz Schlangenbohrer (mit eingängiger Schnecke an der Spitze)
- Zentrierbohrer oder kleiner Spiralbohrer (für Vorbohrungen in hartem Holz)
- Bienenwachs oder Talg (als natürliches Schmiermittel für den Bohrer)
- Leinöl (zur Pflege der Holzgriffe)
- Schleifstein oder feine Diamantfeile (zum Nachschärfen)
Werkzeuge
- Dübeleisen (ein Stahlblech mit konischen Löchern; ein leicht zugespitzter Holzstab wird durchgeklopft und wird rund)
- Feine Dreikantfeile (zum Nachschärfen der Schneiden von innen)
- Öliger Lappen (für Rostschutz nach der Arbeit)
- Opferholz (ein Restholz als Unterlage, damit das Loch sauber wird)
- Ahle oder dicker Nagel (zum Ankörnen der Bohrstelle)
Historischer Kontext
Vor der Erfindung elektrischer Maschinen war der Handbohrer das Standardwerkzeug jedes Zimmermanns und Tischlers. In der Kriegs- und Nachkriegszeit, als Elektrowerkzeuge unerschwinglich oder nicht verfügbar waren, war der Handbohrer das wichtigste Werkzeug für Reparaturen am Haus, Möbelbau und sogar für den Bau von provisorischen Unterkünften.
Ausführliche Anleitung
Betrieb und Anwendung
- Erstmalige nutzung
- Übe zuerst an weichem Holz wie Kiefer oder Fichte. So bekommst du ein Gefühl dafür, wie sich die Schnecke selbst ins Holz zieht.
- Optimierung
- Lehne dein Körpergewicht gegen den oberen Griff der Bohrwinde – dann musst du nicht so viel mit den Armen drücken.
- Lagerung und pflege des werkzeugs
- Lagere die Bohrer eingewickelt in ein öliges Tuch, damit sie nicht rosten. Bohrer nie in feuchten Kellern lagern. Ein Behälter mit trockenem Sand oder Reis bindet die Feuchtigkeit. Die Holzgriffe der Bohrwinde gelegentlich mit Leinöl einreiben, damit sie nicht rissig werden.
Wartung und Pflege
- Bohrer nach jedem Gebrauch mit einem öligen Lappen abwischen.
- Schneiden von innen mit einer feinen Dreikantfeile nachschärfen (nie von außen feilen – sonst wird der Bohrer zu dünn und klemmt).
- Holzgriffe der Bohrwinde gelegentlich mit Leinöl einreiben.
Problembehebung
- Der Bohrer dreht sich kaum noch und bleibt stecken.
- Ursache: Die Spannut ist mit Spänen verstopft, oder du hast kein Schmiermittel benutzt.
Lösung: Bohrer vorsichtig zurückdrehen, die Nut säubern und die Spitze neu mit Wachs oder Talg einreiben. - Das Holz bricht auf der Unterseite grob aus.
- Ursache: Du hast kein Opferholz verwendet oder am Ende zu stark gedrückt.
Lösung: Immer ein Restholz unterlegen. Oder von beiden Seiten bis zur Mitte bohren. - Der Bohrer zieht sich nicht mehr selbst ins Holz.
- Ursache: Die kleine Schraube an der Spitze (Einzugschnecke) ist stumpf oder kaputt.
Lösung: Mit einer feinen Dreikantfeile die Gänge der Schnecke vorsichtig nachschärfen. Wenn die Spitze ganz fehlt, hilft nur noch starkes Drücken – dann ist der Bohrer für feine Arbeiten nicht mehr gut.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Phase 1: Vorbereitung und Ansetzen
Damit das Bohrloch genau dort ist, wo du es haben willst.
- Drücke mit einer Ahle oder einem Nagel eine kleine Delle an die Bohrstelle. So rutscht der Bohrer beim Start nicht weg.
- Reibe die Schneiden und die Schraube an der Spitze des Bohrers mit Bienenwachs oder Talg ein. Das macht den Bohrer leichter.
- Setze den Bohrer senkrecht an. Schau von zwei Seiten (z. B. von vorne und von der Seite), ob er gerade steht.
Profi-Tipp: Keine Ahle zur Hand? Spanne einen dicken Nagel in eine Zange und schlage mit einem Hammer eine kleine Delle ins Holz.
Phase 2: Der Bohrvorgang
So bohrst du sauber und ohne viel Kraft.
- Drücke leicht auf den oberen Griff der Bohrwinde und drehe gleichmäßig an der Kurbel.
- Ziehe den Bohrer nach 3 bis 4 Umdrehungen kurz heraus, um die Späne aus der Nut zu entfernen. Bei sehr hartem Holz (wie Eiche) nach jeder 2. Umdrehung.
- Weniger Druck ausüben, kurz bevor der Bohrer auf der Rückseite rauskommt – sonst splittert das Holz aus.
Profi-Tipp: Leg immer ein Stück Abfallholz (‚Opferholz‘) unter dein Werkstück. Dann entsteht auf der Unterseite kein rissiges Loch. Ein Tropfen Wasser auf die Bohrerspitze hilft bei sehr trockenem Holz als Kühlung.
Phase 3: Herstellung von Holzverbindungen
Ohne Metallschrauben – nur mit Holz und Handkraft.
- Stecke einen grob zugespitzten Holzstab in ein Dübeleisen und klopfe ihn mit einem Hammer durch. Fertig ist ein perfekt runder Holzdübel.
- Bohre durch beide Holzteile gleichzeitig, die du verbinden willst.
- Klopfe den Holzdübel ins Loch. Falls er locker sitzt, spalte das Dübelende leicht ein und stecke einen winzigen Holzkeil hinein.
Profi-Tipp: Holzdübel werden bei Feuchtigkeit sogar fester, weil das Holz quillt – perfekt für den Außenbereich. Einen einfachen Leim bekommst du aus Mehl und Wasser angerührt.
Sicherheitshinweis
Feile niemals an der Außenseite der Schneiden. Sonst wird der Bohrer dünner und kann im Holz klemmen.
Sorge dafür, dass dein Werkstück nicht wegrutschen kann. Sonst besteht Verletzungsgefahr.
Halte deine Finger von den scharfen Bohrerschneiden fern – besonders wenn der Bohrer plötzlich durchrutscht.
Schleife selbstgemachte Holzdübel vor dem Einschlagen mit einem rauen Stein oder Sandpapier ab, damit du dich nicht splitterst.
Fazit
Der Handbohrer ist das ultimative Werkzeug für die Krisenvorsorge. Du wirst unabhängig vom Strom, arbeitest leise und kannst mit einfachsten Naturmaterialien stabile Konstruktionen bauen – genau das Wissen unserer Großeltern, das nie alt wird. Umweltaspekt: Völlig CO2-neutraler Betrieb. Das langlebige Werkzeug reduziert Elektroschrott und schont Ressourcen. Anhang: Selbst gebautes Dübeleisen: Nimm ein Stück Flacheisen (ca. 5 mm dick, 3 cm breit, 10 cm lang). Feile eine Seite spitz zu. Bohre Löcher mit 4, 6, 8 und 10 mm Durchmesser hinein. Feile die Löcher leicht konisch (oben etwas weiter als unten). Dann einen Holzstab zuspitzen und durchpassendes Loch treiben. Ganz einfach: Auch ein alter Ringmaulschlüssel funktioniert als Dübelform – Holzstab durch das Ringloch schlagen. – Keilverbindung: Einen schmalen Keil aus hartem Holz (z. B. Eiche) in einen gespaltenen Dübel treiben. Durch Feuchtigkeit quillt das Holz und die Verbindung hält bombenfest.