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Kuschelige Wärme aus eigener Hand: Felle gerben mit Alaun und Salz

Mit einfachen Haushaltsmitteln rohe Felle in weiche, warme Einlagen verwandeln – ganz ohne giftige Chemie. So machten es früher viele Menschen in kalten Wintern.

Zusammenfassung

Das Salz öffnet die Poren der Haut, damit das Alaun besser eindringen kann. Das Alaun verbindet sich mit den Fasern der Haut und macht sie haltbar – ähnlich wie beim Konservieren von Lebensmitteln. Danach wird die Haut gedehnt und gefettet, damit sie weich bleibt.

Eckdaten

Kosten
Sehr gering (Alaun und Salz kosten wenige Euro; Felle fallen beim Schlachten an oder bekommt man günstig)
Schwierigkeit
Mittel (etwas Geduld und Handkraft nötig, aber für interessierte Laien machbar)
Bauzeit
Ca. 2–3 Wochen (meist Wartezeit; aktive Arbeit nur 2–3 Stunden verteilt auf mehrere Tage)

Benötigte Materialien

Materialien

  • Ein rohes Kleintierfell (z. B. Kaninchen, Hase) – frisch oder gut eingesalzen
  • Alaun (Kaliumaluminiumsulfat) – aus der Apotheke oder Drogerie (ca. 150 g für ein Kaninchenfell)
  • Kochsalz (normales Speisesalz, ohne Jod, kein feuchtes Meersalz) – ca. 200 g
  • Wasser (am besten Regenwasser oder abgestandenes Leitungswasser)
  • Fett zum Geschmeidigmachen: Tiergehirn (traditionell), Schweineschmalz oder 1 Eigelb + 1 EL Speiseöl
  • Optional: Ein Schuss Essig für das letzte Spülwasser (gegen Geruch)

Werkzeuge

  • Plastik- oder Holzeimer (niemals Metall – Alaun reagiert damit!)
  • Stumpfer Messerrücken oder ein stabiler Esslöffel (zum Abschaben)
  • Rundholz (z. B. Besenstiel) oder glatte Stuhllehne
  • Dickere Stopfnadel oder Ahle (kein Nagel)
  • Bienenwachs (zum Wachsen des Fadens)
  • Reißfester Faden (Leinen, Baumwolle oder Hanf)
  • Gummihandschuhe (gegen Hautreizungen durch Alaun)
  • Schnittschutzhandschuhe (beim Entfleischen)

Historischer Kontext

In schlechten Zeiten (Weltwirtschaftskrise, nach dem Krieg) wurde jedes Tierteil genutzt. Die Gerbung mit Alaun und Salz war billig, sicher und ohne Spezialwerkzeuge zu Hause machbar. Viele Menschen überlebten so die strengen Winter, indem sie Kaninchenfelle zu Einlegesohlen oder Westen verarbeiteten.

Ausführliche Anleitung

Betrieb und Anwendung

Erstmalige nutzung
Das fertige Fell zuschneiden: Für Einlegesohlen die Fellseite nach oben in die Schuhe legen. Für Nierenwärmer oder Westenfutter die Fellseite zum Körper.
Optimierung
Beim Nähen eine flache Naht (Kante an Kante) verwenden. Den Faden vorher mit Bienenwachs einreiben – dann rutscht er besser durchs Leder. Löcher immer mit einer Ahle vorstechen – sonst bricht die Nadel.
Lagerung oder anschluss
Das Leder absolut trocken lagern, vor Motten schützen (z. B. mit Lavendelsäckchen oder Zedernholz). Alle 2–3 Jahre mit etwas Schmalz einreiben, damit es geschmeidig bleibt.

Qualitätsmanagement

Ideale Rohstoffe
  • Frische Felle ohne Risse, Löcher oder dicke Fettreste
  • Felle von gesunden, gut gefütterten Tieren (gleichmäßig dicke Haut)
Ungeeignet
  • Felle mit Faulstellen (stinkend, schleimig) – die Haut ist bereits zersetzt
  • Eingetrocknete, schmierige Fettreste, die sich nicht entfernen lassen
  • Felle mit vielen Schnitten oder Löchern

Wartung und Pflege

  • Alaungegerbtes Leder ist NICHT wasserfest – Nässe macht es wieder hart.
  • Flecken im Fell nur trocken mit Kartoffelmehl oder Kleie ausbürsten.
  • Verschmutzte Lederseite mit einem feuchten Tuch und milder Seife abtupfen, dann sofort mit trockenem Tuch nachreiben.

Problembehebung

Das Fell ist nach dem Trocknen bretthart.
Ursache: Es wurde nicht genug gedehnt und geknetet.
Lösung: Die Lederseite mit einem feuchten Schwamm leicht anfeuchten (nicht nass machen), mit Schmalz einreiben und noch einmal kräftig über eine Holzkante ziehen – mehrmals wiederholen.
Das Leder wird nach Regen wieder hart.
Ursache: Alaunleder verträgt kein Wasser.
Lösung: An der Luft trocknen lassen (nicht auf der Heizung). Danach mit Schmalz einreiben und wieder dehnen. In Zukunft vor Nässe schützen.
Die Nadel bricht beim Nähen.
Ursache: Die Nadel ist zu dünn oder es wurde nicht vorgebohrt.
Lösung: Löcher immer erst mit einer Ahle vorstechen (3–5 mm Abstand), dann mit gewachstem Faden nähen.
Das Fell riecht unangenehm (auch nach dem Gerben).
Ursache: Das Ausgangsmaterial war nicht frisch oder das Gerbbad war zu warm.
Lösung: Fell nach dem Gerben eine Stunde in lauwarmes Wasser mit Essig (1 EL pro Liter) legen, dann spülen und trocknen. Beim nächsten Mal das Gerbbad kühler halten (15–18 °C).

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Phase 1: Vorbereitung: Fleisch- und Fettreste entfernen

Von der Innenseite des Fells alles ablösen, was nicht zur Haut gehört.

  • Frisches Fell: 1–2 Stunden in den Kühlschrank legen (nicht ins Gefrierfach) – dann geht das Abschaben leichter.
  • Fell mit der Fleischseite nach oben auf ein Holzbrett legen (mit kleinen Nägeln an den Rändern feststecken).
  • Mit einem stumpfen Messerrücken oder einem Löffel vorsichtig alle Fleisch- und Fettreste abschaben. Von der Mitte nach außen arbeiten, nicht zu tief drücken (sonst entstehen Löcher).
  • Bei eingesalzenen Fellen: Vorher das Salz mit kaltem Wasser abwaschen, dann trocken tupfen.

Profi-Tipp: Wenn nach dem Abschaben noch Fettreste übrig sind, kann man sie mit einer Mischung aus Kleie (oder Sägemehl) und etwas warmem Wasser abreiben – das saugt das Fett auf.

Phase 2: Reinigung & Geruch entfernen

Das Fell waschen, damit Blut, Schmutz und Gerüche verschwinden.

  • Fell in lauwarmem Wasser (max. 30 °C) mit einer milden Seife (z. B. Olivenkernseife) vorsichtig waschen. Keine scharfe Kernseife – die macht die Haut spröde.
  • Gründlich mit klarem, kaltem Wasser ausspülen, bis keine Seifenreste mehr da sind.
  • Für das letzte Spülwasser: Einen Schuss Essig ins Wasser geben (ca. 1 Esslöffel pro Liter). Das neutralisiert Gerüche und desinfiziert leicht.

Profi-Tipp: Essig hilft wirklich gut gegen den typischen Wildgeruch – aber nicht zu viel, sonst wird die Haut sauer.

Phase 3: Das Gerbbad: Mit Alaun und Salz haltbar machen

Die Haut wird im Bad konserviert, sodass sie nicht verrottet.

  • Gerblösung anrühren: Für 1 Liter **kaltes** Wasser (15–20 °C) 40 g Alaun und 50 g Salz einrühren. (Für ein Kaninchenfell braucht man etwa 3–4 Liter).
  • Die Lösung in einen sauberen Plastik- oder Holzeimer füllen. **Keinen Metalleimer verwenden!**
  • Das Fell vollständig eintauchen. Mit einem sauberen Stein oder einem Glas beschweren, damit es nicht aufschwimmt.
  • Mindestens 10–14 Tage im Bad lassen. Einmal am Tag mit einem Holzstock umrühren.
  • Den Eimer kühl und dunkel stellen (z. B. Keller).

Profi-Tipp: Niemals einen Metalleimer nehmen! Alaun reagiert mit Metall – das Fell bekommt dunkle Flecken und wird brüchig. Ein einfacher Putzeimer aus Kunststoff ist perfekt.

Phase 4: Rückfettung & Recken: Das Fell wird geschmeidig

Durch Fett und kräftiges Dehnen wird das harte Leder weich und biegsam.

  • Fell aus dem Gerbbad nehmen und mit kaltem Wasser gründlich abspülen (mindestens 5 Minuten lang).
  • Auf die noch feuchte Innenseite das Fett auftragen: Zerdrücktes Tiergehirn (traditionell am besten), flüssiges Schweineschmalz oder die Mischung aus 1 Eigelb + 1 EL Speiseöl.
  • Das Fett mit den Fingern oder einem weichen Tuch gleichmäßig in die Haut einmassieren.
  • Das Fell an der Luft trocknen lassen – **nicht auf die Heizung, nicht in die Sonne** (sonst wird es steif). Ein schattiger, luftiger Platz ist ideal.
  • Während des Trocknens (dauert 6–12 Stunden) das Fell **immer wieder** über eine stumpfe Holzkante (Besenstiel, Stuhllehne) ziehen, dehnen, biegen und kneten. Besonders wichtig: Wenn das Fell halbtrocken ist, wird es richtig gedehnt – das macht es weich.
  • Das Dehnen und Ziehen fortsetzen, bis das Fell ganz trocken ist und sich geschmeidig anfühlt.

Profi-Tipp: Das Dehnen ist der allerwichtigste Schritt! Wer hier zu faul ist, bekommt ein bretthartes Fell. Mindestens 20–30 Minuten über den ganzen Trocknungszeitraum verteilt dehnen und rubbeln. Zu zweit geht es leichter: Jeder zieht an einem Ende.

Sicherheitshinweis

⚠️ **Alaun reizt die Haut** – trag beim Anrühren und beim Hantieren mit dem nassen Fell **Gummihandschuhe**. Bei Kontakt mit den Augen: sofort mit Wasser ausspülen.
⚠️ **Alaunstaub nicht einatmen** – beim Abwiegen gut lüften oder eine einfache Staubmaske tragen.
⚠️ **Verletzungsgefahr beim Entfleischen** – trag Schnittschutzhandschuhe oder arbeite langsam.
⚠️ **Verletzungsgefahr beim Nähen** – niemals mit Gewalt eine Nadel durchs Leder drücken. Vorstechen mit der Ahle!
⚠️ **Nicht mit der Zunge testen** – Alaun ist giftig beim Verschlucken.
⚠️ **Das gegerbte Leder ist nicht wasserfest** – bei Regen nicht tragen, sonst wird es hart.

Fazit

Mit Alaun und Salz, etwas Geduld und ein paar Handgriffen kannst du aus einem rohen Fell etwas Wertvolles machen: warme Einlegesohlen, eine kuschelige Weste oder Mützenfutter. Unsere Großeltern haben in kalten Wintern so überlebt. Du schaffst das auch – und tust gleichzeitig etwas Gutes für die Umwelt. Umweltaspekt: Die Alaun-Gerbung ist viel umweltfreundlicher als die industrielle Chromgerbung (die giftige Chromsalze freisetzt). Alaun ist ein natürliches Salz und hinterlässt keine langlebigen Schadstoffe. Die Restlösung kann verdünnt über den Hausmüll entsorgt werden – aber nicht ins Grundwasser oder ins Pflanzenbeet kippen. Anhang: Skizzen zum richtigen Nähen (Überwendlichstich) und zum Vorstechen mit der Ahle sind für Anfänger sehr hilfreich. Eine kleine Tabelle mit den verschiedenen Fettmitteln (Gehirn, Schmalz, Eigelb) und ihren Vor- und Nachteilen wäre eine gute Ergänzung. Wer Felle braucht: Siehe Artikel 'Stallhasen' (ID 001).

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