Zusammenfassung
Ersatz der staatlichen Währung durch Güter mit intrinsischem Nutzwert. Der Wert bemisst sich am unmittelbaren Bedarf des Gegenübers – nicht an einer abstrakten Zahl.
Eckdaten
- Kosten
- 0 € bis 30 € (durch Restposten, Mehrwegartikel oder bereits vorhandene Haushaltsgegenstände)
- Schwierigkeit
- Einsteiger
- Bauzeit
- Laufender Aufbau; ca. 1–2 Stunden für die Portionierung des Grundstocks
Benötigte Materialien
Materialien
- Hygieneartikel (Kernseife, Zahnputzpulver aus Kreide/Salz, Rasierklingen, Pflaster, selbstgemachte Menstruationstücher aus alten Stoffen)
- Genussmittel (Kaffee, Tee, Tabak, Schokolade, selbst gebrannter Schnaps als Desinfektion und Genussmittel)
- Grundnahrungsmittel (Salz, Zucker, Honig, selbstgemachte Brühpulver aus getrocknetem Gemüse)
- Samenfestes Saatgut für Gemüse und Kräuter
- Brennstoffe und Licht (Streichhölzer, Feuerstahl, Kerzen aus Talg oder Bienenwachs, Petroleum mit Docht)
- Handwerkskleinteile (Nähnadeln, Stopfgarn, Hanfschnur, Bast, Lederriemen, Draht, Nägel, Schrauben)
Werkzeuge
- Kleine Beutel oder Gefäße zur Portionierung (Papiertüten, Einmachgläser, Stoffbeutel)
- Schreibmaterial für Inventarlisten (Bleistift, Papier, Kreidetafel)
- Mechanische Briefwaage oder selbst gebastelte Balkenwaage (Lineal, zwei Schalen, Schnur)
- Robuste Tausch-Kiste zur getrennten Lagerung (z. B. Holzkiste oder Weidenkorb) – für brennbare Materialien wie Petroleum und Streichhölzer zusätzlich eine feuerfeste Metallbox innerhalb der Kiste verwenden
Historischer Kontext
Lehren aus der Nachkriegszeit Deutschlands (Zigarettenwährung 1945–48), der Hyperinflation in Deutschland 1923 (z. B. im Ruhrgebiet: Kohle gegen Mehl), der Weltwirtschaftskrise (Tausch von Eiern gegen Kaffee), August/September 1789 Französische Revolution (Saatgut extreme Nachfrage, sehr gutes Tauschmittel) und modernen Krisen wie Argentinien 2001, in denen der Naturaltausch das Überleben sicherte.
Ausführliche Anleitung
Betrieb und Anwendung
- Erstmalige nutzung
- Beginne in kleinen, vertrauten Nachbarschaftskreisen (z. B. mit einem Nachbarn, der Hühner hält). Baue erst Vertrauen auf, bevor du in größeren Notlagen handelst.
- Optimierung
- Beobachte den lokalen Bedarf genau: Auf dem Land ist Saatgut, Essig zum Haltbarmachen und Werkzeugschärfen wertvoller; in der Stadt eher Nähnadeln, Schnürsenkel, Schuhwichse, Streichhölzer und Brennholz.
- Lagerung oder anschluss
- Die ‚Tausch-Kiste‘ sollte so gelagert werden, dass sie im Falle einer Evakuierung schnell als Ergänzung zum 72-Stunden-Kit mitgenommen werden kann (max. 10 kg, Griffe an der Kiste). Achtung Brandschutz: Petroleum, Feuerzeuge und Streichhölzer in einer separaten, feuerfesten Metallbox innerhalb der Kiste aufbewahren – nicht lose neben brennbaren Stoffbeuteln.
Qualitätsmanagement
- Ideale Rohstoffe
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- Unbeschädigte, trockene Ware; wenn möglich in Originalverpackung (dient als Qualitätssiegel)
- Samenfeste, sortenreine Saaten (kein Hybridsaatgut, das keine Nachkommen bildet)
- Handwerkzeug ohne Rost, scharfe Klingen
- Ungeeignet
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- Abgelaufene oder feucht gewordene Medikamente (lebensgefährlich!)
- Feucht gewordene Streichhölzer oder Zunder
- Minderwertiges Werkzeug (bricht bei erster Nutzung)
- Angebrochene oder verschimmelte Lebensmittel
Wartung und Pflege
- Regelmäßige Kontrolle der Vorräte auf Motten, Nässe oder Schimmel.
- Rotation von verderblichen Tauschgütern (Kaffee, Schokolade, Nüsse) in den eigenen Verbrauch, bevor sie alt werden.
Problembehebung
- Gegenüber fordert Wucherpreise (z. B. 1 Ei für 1 kg Salz)
- Ursache: Mangelnde Markttransparenz oder Ausnutzung der Notlage.
Lösung: Handel abbrechen. Sage: ‚Das ist kein fairer Tausch. Komm wieder, wenn du nachdenken konntest.‘ Langfristig ist ein Ruf als fairer Partner wertvoller als einmaliger Gewinn. - Tauschpartner wird aufdringlich bezüglich deines Lagers
- Ursache: Verlust der Diskretion – du hast zu viel gezeigt oder erzählt.
Lösung: Hinweis auf ‚begrenzte Restbestände‘ und Verweis auf künftige Tauschgelegenheiten an neutralen Orten. Wechsle den Tauschort.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Phase 1: Auswahl und Beschaffung
Identifikation von universell begehrten Gütern – ohne Neukäufe, sondern aus dem eigenen Haushalt oder von Restposten.
- Fokus auf ‚Kleingeld-Artikel‘ legen (Dinge, die wenig kosten, aber jeder braucht: Salz, Streichhölzer, Nähnadeln, Saatgut).
- Schwerpunkt auf lange Haltbarkeit und hohe Teilbarkeit setzen (z. B. ein Pfund Salz in 50g-Portionen).
- Eigene Talente als immaterielles Tauschgut definieren: Flickarbeiten, Holzspalten, Hühnerversorgung, Wäschewaschen mit Waschbrett, Kinderhüten, Schuhsohlen besohlen – alles ohne Strom.
Profi-Tipp: Durchforste Keller, Dachboden und Vorratsschränke: Alte Knöpfe, Schrauben, Kerzenreste, Teelöffel – vieles ist tauschwürdig.
Phase 2: Portionierung und Lagerung
Vorbereitung der Güter für den flexiblen, diskreten Einsatz.
- Große Gebinde (z. B. 10 kg Salz) in handliche 50–100 g Einheiten umfüllen (in Papiertüten oder Stoffbeutel).
- Tauschvorräte strikt von den eigenen Kernvorräten trennen (beschriften mit ‚Tausch – nicht anrühren‘).
- Lagerung an einem kühlen, trockenen, dunklen Ort – besonders wichtig für Streichhölzer und Samen.
Profi-Tipp: Verpacke Tauschmittel in neutralen, undurchsichtigen Behältern, um keinen Rückschluss auf die Gesamtmenge deines Lagers zu geben. In der Depression bewährte sich: ‚Zeige nie deinen vollen Vorrat.‘
Phase 3: Die Sicherheitsstrategie (Stilles Handeln)
Schutz des eigenen Haushalts während des Tausches – vor Diebstahl und Neid.
- Niemals direkt an der eigenen Haustür tauschen (neutraler Boden: Gartenlaube, Friedhofsbank, öffentlicher Brunnen).
- Diskretion wahren: Nur über den unmittelbaren Tauschgegenstand sprechen, nie über das Lager oder andere Familienmitglieder.
- Immer nur die Menge zeigen, die aktuell getauscht werden soll (z. B. eine Handvoll Salz, nicht den gesamten Sack).
Profi-Tipp: Tausche nach Möglichkeit nie alleine; eine zweite vertraute Person bietet Sicherheit und dient als Zeuge. In der Nachkriegszeit galt: ‚Der Tausch ist heilig – aber drei Augen sehen mehr als zwei.‘
Sicherheitshinweis
Achte auf den Brandschutz bei der Lagerung von Petroleum, Feuerzeugen oder Streichhölzern (nicht neben Heu, Stroh oder Öl). Verwende für diese Gegenstände eine feuerfeste Metallbox.
Tausche keine leicht verderblichen Lebensmittel, wenn die Kühlkette unterbrochen ist (Fleisch, Fisch, Mayonnaise).
In geordneten Zeiten: Tauschgewinne über 256 € pro Jahr können meldepflichtig sein. In akuter Notlage (Stromausfall, Hyperinflation) ist der Naturaltausch jedoch faktisch unkontrollierbar – handle trotzdem fair und dokumentiere nichts schriftlich.
Fazit
Tauschmittel sind die Lebensversicherung für soziale Interaktion in der Krise. Sie ermöglichen Hilfe zur Selbsthilfe, erhalten die Würde durch fairen Handel und bauen widerstandsfähige Nachbarschaftsnetzwerke auf – mit dem, was bereits da ist. Umweltaspekt: Tauschhandel fördert die Weiternutzung von Gegenständen (Reparatur statt Wegwerfen), reduziert Abfall und schont Ressourcen – ganz im Sinne der Großeltern-Generation.